2019 – Piemont Tour

oder warum die Assietta nicht gefahren wurde…

oder warum Motorradfahren auch körperlich anstrengend sein kann….

Schon lange nicht mehr gemacht, wollte ich dieses Jahr wieder einmal für mehrere Tage auf Motorradtour gehen. Mit der Partnerin machte ich aus, dass ich eigenen Urlaub nehmen würde. Da sie jedoch am verlängerten Wochenende vom 1. August arbeiten musste, nutzte ich die vier Tage für eine Tour.

Ursprünglich dachte ich an eine mir eher bekannte Runde in Richtung Österreich/Südtirol. Die Wettervorhersagen waren sprachen eher dagegen, so dass ich mich spontan in eine andere Region umschaute. Wieder einmal auf Videos von der Assietta Kammstrasse gestossen war eine Idee geboren…

Ich entschied mich also, dass ich mich in Turin einquartiere und von da an zwei Tage die Pässe unsicher machen wollte. Einerseits die Assietta bei guten Verhältnissen, den Lac du Mont Cenis und den Tendapass.

Mehr Details zu der Karte findest du hier.

Auf eine detaillierte Planung verzichtete ich. Lediglich für bestimmte Routen organisierte ich GPS Tracks und das Hotel buchte ich im Vorfeld. Meine Partnerin setzte mir noch den Floh einer GoPro ins Ohr, welche auch noch schnell bestellt wurde. Am Vorabend war das Motorrad dann auch bereit fürs Abenteuer.

1. August / Hinfahrt
Am Donnerstag stand ich also mit meiner Partnerin auf und es ging los Richtung Süden. Bis zur Raststätte Viamala in Thusis düste ich die Autobahn hinauf in den Süden. Von da an folgte ich dem Hinterrhein durch die Viamala- und Rofflaschlucht und verliess den Flussverlauf mit der Fahrt über den San Bernadino-Pass.
Im Tessin nahm ich nochmals schnell die Autobahn um diese nach Locarno wieder zu verlassen. Dem Lago Maggiore folgte ich bis Verbania und von da an ging es den Hauptstrassen nach in Richtung Osten. Erwähnenswert ist hauptsächlich noch der Passo della Colma, da danach die Umgebung in der Po-Ebene immer ebener wurde (wie es der Name schon sagt).
In Turin angekommen schlenderte ich noch ein wenig durch die Stadt um ein Restaurant zu finden. Dummerweise öffneten alle mir zu spät, so dass ich mich im kleinen Geschäft neben dem Hotel mit dem notwendigsten versorgte und bald zu Bett ging.

2. August / Sestriere Runde
Das Wetter meldete leichten Regen für den Nachmittag, so dass ich am Vormittag in der Assietta sein wollte um diese mit den eher suboptimalen Mischprofile zu befahren. Kurz bevor ich jedoch am Einstieg in Depot/Fenestrelle war, öffnete Petrus kurz seine Schleusen. Die Vernunft sprach nun zu mir und ich ignorierte den Abzweiger – dafür hatte ich ein wenig Zeit um die Festung von Fenestrelle kurz zu besuchen. (Diese ist definitiv die Zeit wert für einen längeren Besuch).
Ich fuhr nun weiter über den Pass des Winterortes Sestriere um auf der Rückfahrt einen Abstecher zum Mont Cenis zu wagen. Kurz vor der Französischen Grenze gibt es den Abzweiger zur einem kleinen befahrbaren Weg, welcher auf der westlichen Seite des Lac du Mont Cenis endet. Bis zum Lago d’Arpon war es auch wirklich eine super befahrbare Strecke ohne grössere fahrbahntechnische Herausforderung. Nach dem Berghaus jedoch fingen die groben Streckenabschnitte an, welche mich doch an die Grenze der Belastung brachten. Nach einem schon fast obligaten Umfaller (der Stein hinter dem Busch touchierte den Sturzbügel) wollte auch meine Kupplung schon fast in Rauch aufgehen. Bald war schon die Festungsruine Varisello in Sicht und die Fahrbahn wurde wieder angenehm kleiner Schotter.
(Nachtrag: in der Vorbereitung nicht aufgefallen sah ich in der Nachbereitung, dass diese Strecke eine 4-5 nach Denzel war…)
Wieder auf der Hauptstrasse angelangt fuhr ich dann noch zur offiziellen Passhöhe vom Col du Mont Cenis und danach auf direktem Weg wieder den Strassenpass runter und den Hauptstrassen entlang zurück nach Turin.

3. August / Tag in Turin
Nach dem Tag zuvor war ich irgendwie doch zu geschafft um die geplante Tour ans ligurische Meer mit Rückreise über den Colle di Tenda zu wagen.
Ich nutzte den Tag um auf dem Hauptmarkt frische Spezialitäten einzukaufen und um ein wenig auszuspannen.

4. August / Heimfahrt
Nach dem Ruhetag machte ich mir Gedanken, wie ich mir meine Heimfahrt ein wenig mit Pässen versüssen kann. Div. Varianten wurden geprüft und so war der Plan gefasst…
Am Morgen wollte ich schnellst möglichst auf die Autobahn gen Westen, wäre da nicht das Navi gewesen, welches erst mal eine Runde Richtung Süden wollte um sich dann zu entscheiden, dass doch genügend Satelliten verfügbar sind um mich zum Startpunkt zurück zu führen…
Die Autobahn führte mich dann recht zügig durch die Po-Ebene bis an den Lago Maggiore und von da an gings weiter auf der Hauptstrasse bis Domodossola. Nach dem Stau am Zoll in Gondo folgte auch schon der erste Pass. Der Simplonpass ist vom Ausbaugrad eher eine Schnellstrasse denn ein Bergpass. Im Wallis führte mich der Weg gegen Osten und es folgte ein Ausflug über den höchsten Innerschweizer Strassenpass. Über den Nufenenpass gelangte ich nach Airolo zu meinem Dessert an diesem Tag.
Der Tremola folgend fuhr ich Kurve um Kurve zum Gotthard-Hospiz. Die alte Strasse ist immer wieder ein Genuss.
Der Anschliessende „Besuch“ im Kanton Uri endete mit der Fahrt über den Oberalppass in die Surselva. Der letzte geplante Abstecher war dann auch von Ilanz weg von der Hauptstrasse entlang der Rheinschlucht bis Bonaduz.
Da empfing mich auch der Ferien-Rückreise-Verkehr, welchen ich dann ungeplant mit einem Abstecher über die Luzisteig ein wenig umfahren habe. Danach folgte nur noch eine letzte entspannte Autobahnfahrt runter bis zum heimatlichen Bodensee.

Nach dieser Tour kann ich folgendes Fazit ziehen:

  • die Piemonter Alpen haben schöne Flecken, die gerne nochmals besucht werden
  • Turin ist eine schöne Stadt mit dem Charme der alten Herzogen
  • Turin ist nicht unbedingt der beste Basis für Motorradtouren (Stadtverkehr lässt grüssen)
  • die Strecke zum Lac du Mont Cenis ist für Offroad-Anfänger wie mich auf einer Gross-Enduro nicht unbedingt geeignet
  • der Verzicht auf die Assietta Kammstrasse war im Nachhinein ein sehr sinnvoller Entscheid
  • der Fahrer muss mehr Kondition aufbauen für solche Offroad-Abenteuer

Ein paar statistische Werte:

1. Tag2. Tag4. TagTotal
Distanz474 km261 km563 km1298 km
Anstiege3624 m3818 m6935 m14377 m
Gefälle3753 m3866 m6753 m14372 m

Da war noch was… Ich habe mich nun schon ein wenig in die Welt der Videobearbeitung und Youtube rangetastet:

GoPro Videos der Tour

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